moked/מוקד

il portale dell'ebraismo italiano

BECHOL LASHON Deutsch – Einer auseinandersetzung entgegenzutreten

dario calimaniDario Calimani*

Es gibt immer mindestens zwei Wege, in den man einer Auseinandersetzung entgegentreten kann. Ein wird angewandt, indem man sich im Schützengraben einschließt, den Feind hart angreift und nur die Verantwortungen und Schulden des Gegners in Betracht zieht. Es sind keinen mildernden Umstand gewährt, man gibt keine eigene Verantwortung und keine eigene Schuld zu. Auf diese Weise legt man fest, wer der Stärkste ist, und stellt man das Durchhaltvermögen und die Reaktionsfähigkeit des Feindes auf den Prüfstand. Im schlimmsten Fall gibt es immer Zeit und Gelegenheit, Reue zu zeigen und einen ehrenvollen Frieden auszuhandeln, auch nachdem man das Schlachtfeld – auf beiden Schlachtfeldern – verheert hat. Erde um die Kriegsgefallene zu begraben wird es immer geben.
Der zweite Weg, um einer Auseinandersetzung entgegenzutreten besteht darauf, dass man zuerst dem Rivalen (keiner Feind) seine Rechte gewährt und dann die Kritiken, die er übt, und vielleicht auch die eigenen Verantwortungen berücksichtigt. Natürlich handelt es sich um eine anspruchsvolle Strecke, die für uns notwendig machen könnte, etwas an unser Verhältnis ändern und demütig zugeben, dass die Widerreden des anderen nicht ganz unbegründet sind. Das ist die Strecke, entlang deren unseren Verstand und unsere moralische und intellektuelle Redlichkeit auf die Probe gestellt werden. Das ist die Strecke der Befriedung, die uns erlaubt, zusammen voranzugehen. Ohne gegenseitige schmerzliche Klage, ohne nicht wiedergutzumachende Spaltungen, ohne tödlicheren Hass. Sinat Hinam.
Man braucht nur einen Tisch und zwei Stühle. Und Bereitschaft, ein bisschen Liebe, und viele intellektuelle Redlichkeit auf den Tisch zu stellen.

*Dario Calimani, Universität von Venedig. Übersetzung von Sara Facelli, mit der Hilfe von Anna Zanette, beide Studentinnen der Hochschule für Dolmetscher und Übersetzer der Universität von Trieste und Praktikantinnen bei der Zeitungsredaktion der Union der jüdischen Gemeinden von Italien (UCEI).