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Nachrichten – Henri Lévy, auf Tour zur Verteidigung Europas

BHLDaniel Reichel

Das Ziel ist ehrgeizig: Europa herumzukommen, um es daran zu erinnern, was es bedeutet, Europäer zu sein; den Kontinent zu durchqueren, um den Populismus und die Politik der Unfähigkeit zu bekämpfen, durch eine Show eine ausgestreckte Hand den Wählern anzubieten, die sich mit einer gewalttätigen Mittelmäßigkeit abgefunden haben, um sie gemeinsam zu bekämpfen. Die Herausforderung des französischen Philosophen Bernard-Henri Lévy, seine persönliche Kampagne für die Europawahl vom 26. Mai, begann im Theater Franco Parenti in Mailand. Nach Ansicht des großen Publikums hat sie wahrscheinlich bereits ihr erstes Ufer gefunden: Die Halle applaudiert ihm am Ende der 90 Minuten, in denen Lévy an die kulturelle Größe Europas und an die Werte, die uns vereinen erinnert, und die diejenigen, die für den Zerfall des alten Kontinents, von Putin bis zur heutigen italienischen Regierung, verantwortlich sind, unbestritten angreift.
In einem imaginären Hotelzimmer in Sarajevo, einem der jüngsten Symbole des gequälten Europas, schreibt der Intellektuelle seine europäistische Rede. Trostlose Bilder gehen durch seinen Kopf und im Hintergrund. Er spricht von einem Kontinent, der durch eine beispiellose Welle von Nationalismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus ertränkt wurde. Er erinnert das Publikum daran, dass Auschwitz einzigartig ist und dass er diese Einzigartigkeit immer gegen Vergleiche und Banalisierungen verteidigt hat. Aber die Frage ist, was nützt es, sich an Auschwitz zu erinnern, wenn wir dann Srebrenica erlauben? Als er sich ergeben will, besuchen die Geister von Dante, Goethe, Stendhal, Havel den Autor, um ihn aufzuklären: Es gibt eine Alternative zum Populismus, die Kultur kann ihn entschärfen. Die Grundbotschaft von Looking for Europe, der Titel von Lévys Stück, ist klar, auch wenn es manchmal schwierig ist, sich von den unzähligen Zitaten zu lösen, die der Philosoph von der Bühne wirft. Er geht lässig von Maimonide nach Husserl, sagt, dass die Europäer die Kinder von Japheth sind, erinnert an die Gleichgültigkeit vieler gegenüber dem Schicksal des Schiffes Exodus, eine Haltung, die er heute in den Ereignissen vom Schiff Acquarius wiederantrifft. Die Beispiele, Zitate, Ausrufe laufen und wechseln schnell auf der Bühne und fordern eine gehörige Portion Konzentration, um den Faden nicht zu verlieren, manchmal verwirrend und vielleicht – wenn das Erwachen des Gewissens das Ziel ist – etwas zu bombastisch. Aber die Grundbotschaft ist jedenfalls klar: Es ist ein vereintes Europa, das den Schutz der Schwächsten garantieren kann, nicht die Aufteilung in nationalen Egoismus, der nur zu Konfrontation und Konflikten führen kann. Aus diesem Grund hat Bernard-Henri Lévy symbolisch Mailand ausgewählt, um mit seiner Tournee zu beginnen, die ihn in etwa zwanzig europäische Städte führen wird: Die lombardische Hauptstadt war das Theater, in dem der Faschismus geboren wurde (23. März 1919, Gründung der Fasci di combattimento), erinnerte der Philosoph, und es ist das Symbol für einen Fehler, der nicht noch einmal gemacht werden darf. Im Gegensatz zu dieser Vergangenheit ist Mailand heute, so wie von Lévy von der Bühne aus fortgesetzt wurde, ein Beispiel für eine offene, europäische Stadt ohne Grenzen. Ein kleines Modell für ein mögliches Europa. Das Publikum – darunter Bürgermeister Giuseppe Sala und die ehemaligen Ministerpräsidenten Matteo Renzi und Mario Monti – applaudiert und scheint zuzustimmen.

Übersetzung von Anna Zanette, Studentin der Hochschule für Dolmetscher und Übersetzer der Universität von Triest und Praktikantin bei der Zeitungsredaktion der Union der jüdischen Gemeinden von Italien (UCEI)