moked/מוקד

il portale dell'ebraismo italiano

Er 

Von Gadi Luzzatto Voghera*

Er, das absolut Böse, scheint immer die Hauptperson unserer Alpträume zu sein. Er wird von den Massen heraufbeschworen (kürzlich von den Impfgegnern), die großen politischen Leader sprechen von ihm. Seien sie die Gemäßigten, die große Länder regieren, oder belagerte Präsidenten, die tagsüber und nachts bombardiert werden. Er erscheint vor uns mit seinem lächerlichen Schnauzbart in Filmen auf Streaming-Plattformen oder in Chats auf Social Media. Doch, er ist gestorben, selbstmörderisch und einsam, befürchtet und verachtet (auch verehrt) in Berlin, anfangs Mai 1945, sein Leib verbrannt und zu Aschen gemacht. Und dann, seine Bewegung, die unbedeutende Nachahmer hatte (und noch hat), die sich neo-was-auch-immer nennen. Er und seine Bewegungs-Partei-Ideologie sind unser schlechter, andauender Gedanke. Wir können uns das Böse nicht vorstellen, ohne an ihn zu denken, ohne es mit ihm zu vergleichen. Und damit verzerren wir seine Geschichte, wir entziehen ihn seiner Verantwortung in der Geschichte. Das Schlimmste ist jedoch, indem wir ihn immer wieder heraufbeschwören, begehen wir den schlimmsten Fehler: wir verzichten auf die Vernunft, wir verleihen den heutigen Ereignissen nicht ihre komplizierte und ernste zeitgenössische Dimension. Wir vermeiden es, Antworten in der Gegenwart zu suchen und daher verzögern wir dies zu verstehen und entsprechend zu handeln. So, das ist die „Verzerrung“, sowohl in der vergangenen Geschichte (eine Vergangenheit, die nicht vergehet, wie viele zu sagen pflegten), als auch unserer schwierigen Gegenwart. 
Ich werde seinen Namen nicht schreiben. Aber ich bitte darum, dass er in die Geschichte eingeordnet wird und dass für immer erzählt und erklärt wird, was er war und welche unaussprechlichen Folgen seine Taten und sein Denken für Millionen Menschen hatten. Und dass er endlich besiegt und tot betrachtet wird. Diejenigen von heute haben andere Gesichter, andere Ideen und andere Beweggründe. Man soll aufhören, sie mit jenem Kerl zu vergleichen, und man soll sich endlich und kompromisslos, mit was uns nun und jetzt geschieht, befassen.  
*Stiftungsdirektor CDEC – Zentrum für zeitgenössische jüdische Dokumentation 
Übersetzt von Maria Cianciuolo, durchgesehen von Alida Caccia, Schülerinnen der Hochschule für moderne Sprachen für Dolmetscher und Übersetzer der Universität von Triest, Praktikantinnen in der Redaktion der Vereinigung der Italienischen Jüdischen Gemeinschaften.